Der Angriff der Gegenwart auf die übrige Zeit
FRANKFURT SCHAUT EINEN FILM - ALEXANDER KLUGE SPECIAL
Filmvorführung mit anschließendem Gespräch unter dem Motto "ES GIBT FÜR’S DENKEN GAR KEINEN BESSEREN START ALS DAS LACHEN.“ (Walter Benjamin) zwischen Helge Schneider und Prof. Dr. Rainer Stollman moderiert von Prof. Dr. Ulrike Sprenger.
Ein Film, der mit Puccinis Tosca beginnt und bald nicht mehr weiß, wo er aufhören soll. Kluge erzählt in seinem filmischen Essay von einem Regisseur, der während der Dreharbeiten erblindet und weiterdreht, von einer jungen Frau, die ein Kind nicht herausgeben will, und von Menschen, die plötzlich überflüssig sind. Besonders scharf zeichnet Kluge das wohl größte Paradoxon der Moderne: Die totale Beschleunigung führt zur Ohnmacht der Mächtigen. Seine gehetzten Chefs besitzen zwar jede Menge Gestaltungsmacht, sind aber so sehr Sklaven ihrer Terminkalender, dass ihnen die Zeit fehlt, diese überhaupt zu gebrauchen. Sie verwalten nur noch den Moment, statt die Zukunft zu gestalten.
Kann man den Titel dieses Films als Gegenwartsdiagnose lesen? Nachrichten im Minutentakt, Bilder ohne Pause, ein Heute, das alles andere verdrängt? Und kann dem Ernst dieser Beschleunigung eine Ironie entgegengesetzt werden, ein Lachen, das ein Moment des Innehaltens hervorruft?
Deutschland 1985; Regie: Alexander Kluge;
Besetzung: Jutta Hoffmann, Armin Mueller-Stahl, Michael Rehberg;